Glocken

Die Kirche besitzt heute drei Glocken mit den Tönen es, gis und b.

Die älteste Nachricht über Glocken stammt aus dem Jahre 1703. Durch einen Blitzschlag wurde der hölzerne Glockenturm schwer beschädigt und konnte nur notdürftig geflickt werden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich drei Glocken und eine Schlaguhr in dem Turm. Als der Turm schließlich 1716 einstürzte, wurde die größte Glocke zerstört. Die beiden kleineren wurden in einem neuerrichteten Glockenstuhl auf dem Dach weiter verwendet. Die große Glocke wurde neu gegossen, konnte allerdings erst nach dem Neubau des Kirchturm 1734 eingebaut werden. Alle drei Glocken haben sich nicht erhalten.

Glocke von 1760 (Foto: Gierz)

Die älteste noch vorhandene Glocke stammt aus dem Jahre 1760. Auf ihrem Mantel unterhalb der Haube und zwischen Ornamenten stehen in lateinischer Sprache die Worte:

CLARISONO PVLSU SACRIS, INSERVIO REBUS // IN LAUDES SUMMI CUNCTA REFERTE DEI // AUSPICIIS CHRISTIANI JOH. LUDOLPHI REUSMANN // S. TH. D. ET SUPERINTENDENTIS GIFHORN NEC. NON // JOHANN PHILIPPI TILING PRAEFECT GIFHORN HOC // AES CAMPANUM HANNOVERAE CONFLATUM EST. A. JOH: HEINR: CHRIST. WEIDEMANN GOS MICH ANNO 1760“

Übersetzt: Mit helltönendem Klang diene ich den heiligen Dingen, zum Lobe des höchsten Gottes alle erfüllend … Superintendent Dr. Christian Ludolph Reusmann, Amtmann Johann Philipp Tiling. Die Bronze wurde im Lande Hannover gegossen. A. Joh. Heinr. Christ. Weidemann goß mich im Jahre 1760.

Die Glocke wiegt etwa 600 Kilogramm und klingt in gis.

Im Jahre 1861 besaß die Kirche lediglich zwei Glocken. Die zweite Glocke war erst 1857 durch Umguss einer defekten Glocke entstanden. Inschrift: „Gegossen von C.M. Stützer in Benneckenstein 1857“.

In beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts mußten Glocken als Rohstofflieferanten abgegeben werden. Lediglich die älteste Glocke durfte jeweils behalten werden. Erst 1926 konnte eine neue, 1442 Kilogramm schwere E-Ton-Glocke eingebaut werden. Und schon 1943 wurde sie wieder eingeschmolzen.

Anfahrt der Glocken 1957. (Reoro: Gierz)

Entschädigungen für die Glocke gab es nicht. So mußte die Kirchengemeinde selbst rund 10.000 Mark sammeln, um 1957 zwei neue Glocken anschaffen zu können.

Auch die neuen Glocken haben Inschriften. So heißt es auf der großen Es-Glocke: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesus Christus. Gegossen im Jahre 1957.“ Sie soll den gefallenen und verstorbenen Brüdern und Schwestern der beiden Weltkriege gedenken.

Um Segen bittet schließlich die kleinste Glocke in b: „Sprich Deinen milden Segen zu allen unseren Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. Gegossen im Paul Gerhard-Gedächtnisjahr 1957.“

 

Literatur

Aller-Zeitung in Gifhorn, Sonderseite „Glocken“ am 4.11.1997

Ulrich Roshop, "Die St.-Nicolai-Kirche in Gifhorn", Veröffentlichungen Heft 3 des Museums- und Heimatverein Gifhorn e.V., Gifhorn 1980