St.-Georgs-Kapelle

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Georgs-Kapelle und Friedhof. Ausschnitt aus dem Merian-Stich von 1654 (Repro: Gierz)

Die St.-Georgs-Kapelle lag vor der Stadt am Fuße des Weinberges. Sie diente mehrere Jahrhunderte als Friedhofskapelle.

Über die Gründung der Kapelle gibt es eine Urkunde der Herzöge Albrecht zu Sachsen und Bernhard zu Braunschweig-Lüneburg. Danach wurde die Kapelle im Jahre 1382 durch die Junker Eberhard und Konrad von Marenholtz gestiftet und ausgestattet. Abt Johannes vom Kloster Marienthal soll sie geweiht haben. Zur Ausstattung gehörten Ländereien bei Gifhorn und im Papenteich. Aus den Einnahmen wurden Priester bezahlt, die in der Kapelle Gottesdienste und Messen abhielten. In den Jahren 1396 und 1399 wird ein Hermann als Herr bzw. Rektor der Kapelle bezeichnet.

Zu der Zeit bildete die Ise die Grenze zwischen den Bistümern Hildesheim und Halberstadt. Damit ergibt sich also das Kuriosum, dass die Kapelle zu Hildesheim gehörte, während der Ort selbst samt St.-Nicolai-Kirche zu Halberstadt gehörte.

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Plan von Gifhorn 1699 (Ausschnitt). Standort von St.-Georgs-Kapelle und Friedhof (Zeichnung: Gierz)

In ihrer langen Geschichte hat die Kapelle eine wechselvolle Entwicklung erfahren. Allerdings haben sich darüber nur wenige Unterlagen erhalten. Bei der fast totalen Zerstörung von Gifhorn im Jahre 1519 (»Hildesheimer Stiftsfehde«) scheint die Kapelle verschont geblieben zu sein. So konnte sie längere Zeit als Ersatz für Gifhorn dienen, bis endlich die neue St.-Nicolai-Kirche fertiggstellt war.

Außerdem wurde um die Kapelle ein neuer Friedhof angelegt. Über den Zeitpunkt gibt es keine Informationen. Spätestens erfolgte dies beim Wiederaufbau nach 1519, da an der neuen Kirche kein eigener Friedhof angelegt wurde.

Bis zum 30jährigen Krieg war die Kapelle mit ihren Pfründen noch im Besitz der Stifterfamilie von Marenholtz. Diese lebte zu der Zeit in Gerstenbüttel. Die Erträge wurden seit der Reformation nicht mehr zur Finanzierung von Geistlichen benutzt, sondern dienten Kindern aus Gifhorn als Unterstützung beim Studium oder auch zum Erlernen des Orgelspiels. Danach ging die Stiftung und damit wohl auch die Kapelle in den Besitz von St. Nicolai über. Superintendent Cregel konnte um 1650 das Stiftungsvermögen (»Beneficium«) noch vergrößern. Spätestens seit dieser Zeit wurde die St.-Georgs-Kapelle als Friedhofskapelle genutzt.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrmals baufällig und musste dann immer wieder an Dach, Türen und Fenstern neu hergerichtet werden. Während der napoleonischen Kriege erlitt die Kapelle 1813 besonders schwere Beschädigungen durch französische Soldaten. Sie wurde zur Schmiede umfunktioniert. Nach Abzug der Soldaten konnte sie wegen fehlender Finanzmittel nur notdürftig wieder instand gesetzt werden. Erst 1841 kam es zu einer grundlegenden Sanierung.

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Kapelle vor dem Abriss. Undatiertes Foto (Stadtarchiv).

Ende des 19. Jahrhunderts reichte der Friedhof für die wachsende Bevölkerungszahl von Gifhorn nicht mehr aus. Deswegen wurde er 1891 geschlossen und gleichzeitig ein neuer Friedhof weiter oben am Wilscher Weg eingeweiht. Dabei wurde die St.-Georgs-Kapelle weiterhin als Friedhofskapelle benutzt. Erst 1958 errichtete man auf dem neuen Friedhof eine eigene Friedhofskapelle.

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Erinnerungstafel am Neubau (Foto: Gierz)

Damit war die alte St.-Georgs-Kapelle ohne Funktion. Da sie sehr baufällig war, entschloss sich die St.-Nicolai-Kirchengemeinde 1970 diese aufzugeben und zu verkaufen. Der Steinmetzmeister Friedrich Wolf erwarb Gebäude und Grundstück und errichtete dort 1972 ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Eine Steintafel an dem Gebäude erinnert an die alte Kapelle.

Literatur

Fritz Brüggemann: »Gifhorn - Die Geschichte einer Stadt«, Verlag Alfred Voigt, Gifhorn 1962

Friedrich Wilhelm August Deicke: »Zur Geschichte des Geistlichen Beneficiums in Gifhorn«, handschriftliches Manuskript 1933 (im Kirchenarchiv)

Oskar Kieker/Hans Lütgens: »Die Kunstdenkmale des Kreises Gifhorn«, Hannover 1931, Nachdruck Verlag H. Th. Wenner, Osnabrück 1980

Ulrich Roshop: »Gifhorn – Das Werden und Wachsen einer Stadt«, Verlag Liss Werbung, Gifhorn 1982